St. Egid Klagenfurt

Website der Stadthauptpfarre St. Egid in Klagenfurt

Kunst und Kultur

St.Egid ist die älteste Kirche der Stadt Klagenfurt, jedoch nicht in der jetzigen Gestalt. Urkundlich 1255 als Vikariat von Maria Saal genannt, wird sie 1303 mit pfarrlichen Rechten ausgestattet. Die Baugestalt der alten Kirche ist aus den Stadtplänen von 1605 und 1649 ersichtlich. Sie hatte ein gotisches Hochchor, verfügte über sieben Altäre, ein vorspringendes Querschiff und zwei Türme mit Spitzhelmen. Ein überdachter hölzerner Gang verband die Türme.

Nach dem gewaltigen Erdbeben vom 4. Dezember 1690 (zuvor 1571, 1680 und 1688) war im Mai 1691 ein Abbruch der Kirche nötig geworden. Die feierliche Grundsteinlegung des heutigen Baues fand 1692 durch den Klagenfurter Burggrafen Joh. Fr. Graf Orsini von Rosenberg statt. Die Weihe der Kirche geschah 1697 durch Bischof Kaspar von Lavant. Der Turm wurde entsprechend der Inschrift am Scheitel des untersten Gewölbes 1709 fertiggestellt (Höhe: 91,7 m), nach dem großen Brand 1723 mit neuem barocken Zwiebelhelm wieder errichtet (neue Höhe: 97 m, somit höchster Turm von Kärnten). Heute gilt der Turm allgemein als zweites Wahrzeichen der Stadt Klagenfurt.

Die Kirche ist als vierjöchige Emporenkirche mit zweijöchigem quadratischem Chor errichtet. Die Tonnengewölbe mit Stichkappen ruhen auf „Stuccolustro“-Pilaster mit reichen Kapitellen. Ein Gurtbogen auf Wandpfeilern deutet den Triumpfbogen an. Je vier kurze, kreuzgewölbte Seitenkapellen mit barocken Fenstern – in den Emporen barocke Lünettenfenster – schließen den Bau ab.

Gewölbemalereien

Im Chorraum findet sich die allegorische Darstellung der Anempfehlung der Stadt Klagenfurt, Kärntens und Österreichs an die Hlgst. Dreifaltigkeit durch den Kirchenpatron, den Hl. Ägydius. Besonders lebendig ist die Darstellung auf der rechten Seite mit der Bitte um Abwendung der Übel Krankheit, Krieg, Tod und Irrlehre.Dieses Deckenfresko wird dem bedeutendsten Maler des Kärntner Barock, Josef Ferdinand Fromiller, als letztes Werk zugeschrieben.

Im Langhaus ist die Darstellung der wundertätigen Kraft des Hl. Haupt-Bildes, das in der Scheinkuppel von Engeln zu den Gläubigen herabgetragen wird, um durch das Gnadenbild Heilung zu erfahren. Geschaffen hat es der barocke „Schnellmaler“ Josef Mölckh, k.k. Kammermaler, 1761.

Über der Orgelempore befindet sich das vermutlich ebenfalls von Mölckh geschaffene Gemälde, welches König David mit der Harfe vor der Bundeslade tanzend darstellt. Die Stichkappen des Gewölbes sowie die Felder zwischen den Malereien sind hier anstelle der teuren Stukkaturen mit bemalten Puten, Rocaille- und Gittermotiven gefüllt. Um 1860 wurden anläßlich der Restaurierung von Philipp Sies an den Gewölbeansätzen sitzende Kirchenväter geschaffen.

Hochaltar

Für den ersten Hochaltar der neu errichteten Kirche schuf der Klagenfurter Bildhauer Marx Anton Claus vier große und vier kleine Statuen sowie zwei Engel. Dieser ist 1729 einem Brand zum Opfer gefallen. Nach 1742 mit der Intensivierung der Verehrung des Hl. Haupt-Bildes lieferte J.F. Fromiller einen Entwurf für einen neuen Hochaltar (der vermutlich doch realisiert worden ist), in dem das Hl. Haupt-Bild zentral positioniert worden war, aber um 1780 dem heute noch vorhandenen klassizistischen Hochaltar weichen mußte. 1974 wurde der Giebelüberbau durch einen neuen Altaraufsatz ersetzt (Bild: Mutter Anna mit Maria u. Joachim, ca. 1780).

Hauptbild

Das 1784 vom Bozener Maler Josef Anton Cusetti geschaffene Mittelbild zeigt den Hl. Ägydius Ordenkleidung mit dem Attribut der Hirschkuh. Er predigt und hilft den Armen, indem er auf die Dreifaltigkeit und auch auf die Not der Menschen verweist. Über dem Marmoraltar aus dem Jahr 1720 ist das Gnadenbild des dornengekrönten Heilandes zu sehen, das in der neuntägigen Hl. Haupt-Andacht in der Fastenzeit besonders verehrt wird. Vom Villacher Bildhauer Hans Gasser wurden um 1860 zu Seiten der Mensa des Altares zwei Engel aus Zinnguß (vergoldet) hergestellt.

Seitenaltäre (Rundgang v. Nordwesten, links v. Haupteingang)

– Nepomuk-Altar: aus Kunstmarmor; Hauptbild: Hl. Joh.Nepomuk 1822; Aufsatzbild (1728): Joh. d.Täufer von J.F.Fromiller, seitliche Figuren: Hl. Josef mit Kind und Mutter Anna mit Maria. Stifterwappen: Egger-

Lodron. Ölgemälde von Peter Preinsberger (Hl. Franziskus) .

– Kreuzaltar: 1702 gestiftet. schwarz-gold gefaßter Altar, besonders reiche Verkröpfung des Gebälkes und die gestaffelten Doppelsäulen, Kompositkapitelle aus Blattwerk und Putenköpfen. Das Mittelbild (sig. Adam Imhof, 1607) zeigt die Kreuzigung Christi und stammt aus der Vorgängerkirche. Im ovalen Aufsatzbild: Gottvater u. Hl.-Geist-Taube. Seitlich: Hl. Georg und Hl.Nikolaus. Unter dem Fenster: polygonaler Taufstein aus dem 16.Jhdt mit Barockfigur Johannes der Täufer.

Westwand

Die Taufe Jesu am Jordan von Peter Krawagna, Entwurf für die Ausgestaltung der Pfarrkirche Wölfnitz (nicht ausgeführt), rechts kantig Johannes der Täufer, dahinter und doch in der Mitte schemenhaft Christus.

– Barbara-Altar: 1702 gestiftet von Herbert Gröller, vom Tischlermeister Hans Tangerer geschaffen, im Altarblatt in einem geschwungenen Blattwerkrahmen von Engeln emporgetragene Hl. Barbara mit Turm und Kelch. Im Altaraufsatz: die orgelspielende Hl. Cäcilia. Figuraler Schmuck: Johannes der Täufer und Katharina v. Siena bzw. die Jesuitenheiligen Franz Xaver u. Ignatius v. Loyola. Westwand: „Pariser Requiem“ von Valentin Oman, Tryptichon, wichtiges Werk im Schaffen des Künstlers als Bindeglied zu späteren stark färbig geprägten Werken (Tanzenberg). Unter dem Fenster: Bronze-Grabtafel des Georg Nikolas Orsini-Rosenberg von 1695.

– Josefs-Altar: datiert 1699, Stifterfamilie Orsini-Rosenberg. Hauptbild: Hl. Josef vermutlich vom Klagenfurter Maler Adam Claus, im Aufsatz: die Vermählung Mariens. Die beiden Engelsfiguren 1740 vom Klagenfurter Bildhauer Benedikt Pläß geschaffen. Auf der Altarmensa: Hl. Anna, Maria und Joachim. Grabstein des Bischofs und Generalvikars von Salzburg Paulus Graf von Aldringen 1644.

Neuere Werke von Egon Rubin: Ölgemälde (aus den dunklen Tiefen in lichte, erlöste Höhen), Holztafelbild (Kreuzigung und Auffahrt Christi in einem), Kleinaltar als Opferaltar mit Holzleuchter. Barockkanzel: um 1740 von Benedikt Pläß geschaffen, ausgestaltet mit reichem geschlossenem Programm unter dem Aspekt der Buße, an der Brüstung die vier lateinischen Kirchenväter als Verkünder des Gotteswortes (Kirche), Reliefs am Kanzelkorb (Schrift) – entsprechend den Entwürfen von J.F. Fromiller – geben die Barmherzigkeit Christi wieder (der barmherzige Samariter, die Ehebrecherin, Noli-me-tangere mit Maria Magdalena und auferstandenem Christus). An der Rückwand: der gute Hirte. Am von Hermen getragenen Schalldach: Johann Nepomuk auf der Brücke. Eine der schönsten Barockkanzeln Kärntens!

– Marien-Altar: mit Tabernakel, gestiftet 1703 von Sigmund Fr. Graf Khevenhüller (Landeshauptmann v. Kärnten), Altarbild (Himmelfahrt und Krönung Mariens) und Aufsatzbild ( Hlst. Dreifaltigkeit) 1827 von Josef Schreibern geschaffen. Statuen: Hl. Joachim und Hl. Anna im Hauptgeschoß, oben: Hl. Oswald und Hl. Blasius.

– Nothelfer-Altar: bereits 1494 ein Nothelferaltar von Hans Goder gestiftet (Grabstein an der Westwand), Altar mit Doppelsäulenmotiv und reich verzierten Kapitellen, 14-Nothelferaltarbild (in der Mitte Hl. Ägydius) von Adam Claus geschaffen, Aufsatzbild: Mutter Anna mit Maria, figuraler Schmuck: Hl. Johann Nepomuk und Petrus Canisius, im Aufsatz: Johannes der Täufer und auferstandener Heiland. Auf der Mensa des Altares: Andachtsbild (ca. 1730 aus dem Umkreis Trogers) – schmerzhafte Muttergottes (nachempfundene Darstellung der weinenden Mutter Gottes mit Kind von Maria Pötsch), im Volk sehr verehrt!

– Grabkapelle für den weltberühmten amerikanisch-französischen Schriftsteller Julien Green (1900 – 1998), hier beigesetzt. Berühmtes Romanwerk (z.B. Leviathan, Moira, Sterne des Südens, in fernen Ländern, Dixie), vermutlich die berühmtesten und umfassendsten Tagebücher der Literaturgeschichte (Ringen um Sünde, Gnade und Erlösung), einer der letzten großen Schriftsteller, der sich bewußt zum Katholizismus bekannt hat. Die Bronzeplastik von Jos Pirkner (Lienz), „Die Emmausjünger“ ist ein Auftragswerk von Julien Green (=rechter Jünger).

– Armen Seelen-Altar: der Vorgängeraltar aus 1703 von Hans Tangerer und Marx Anton Claus (Stuck und Gemälde) wurde in der 2. Hälfte des 19. Jhdts durch das Bildhaueratelier Jakob Gschiel aus Graz ersetzt. Klassizistischer Kreuzaltar, Kruzifix mit Assistenzfiguren Maria und Johannes. Nische mit vier Armen Seelen im lodernden Fegefeuer vom ersten Altar 1703 von M.A.Claus (nach Diebstahl wurden zwei ersetzt. welche?). An der Wand ein Gedenkstein anläßlich des Kirchenbaues aus dem Jahr 1721 (verdeckt). Votivbild für die wunderbare Rettung des Gesellen Markus Koinitsch 1834 (Turmsturz). Bronzeengel von Ernst Fuchs (1996 in D von Strassacker gegossen) beinhaltet die vier Evangelistensymbole (aufsteigend: Löwe-Mk, Stier-Lk, Adler-Joh, und Mensch, Engel-Mt), feinste Ziselierarbeit!

– Michaels-Altar: aus Stuckmarmor analog zum nordseitigen Altar, Hauptbild: Erzengel Michael im Kampf mit dem Satan von J.F. Fromiller 1727. Altaraufsatzbild: Hlst.Dreifaltigkeit. Die beiden vergoldeten Engel vom Klagenfurter Bildhauer Christoph Rudolph nach 1720 geschaffen. Seitenteile des Traghimmels von Barbara Möseneder 1987.

Errichtung der Winterkapelle (südseitig neben Altarraum) und Ausgestaltung durch Ernst Fuchs mit Themen aus der Apokalypse nach Johannes (Arbeiten seit 1990).