St. Egid Klagenfurt

Website der Stadthauptpfarre St. Egid in Klagenfurt

Heilig-Haupt-Andacht

Das Bild des Heiligen Hauptes

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gibt die Klagenfurter Kaufmannsfrau Maria Ruprecht zum Dank für die glückliche Heimkehr ihres verschollen geglaubten Gatten bei einem bislang unbekannten Maler ein Votivbild im Stil der „Ecce Homo“-Darstellungen des Italieners Guido Reni in Auftrag. Der damalige Stadtpfarrer Lorenz Klein verweigert zunächst die Aufstellung des Bildes in der Kirche, da es in zwei ikonographischen Details von der Schilderung der Leiden Christi in den kanonischen Evangelien sowie von der Vorlage Renis abweicht: durch die Wunde der linken Schulter (vermutlich ein Hinweis darauf, dass der Herr sein Kreuz selbst getragen hat) und durch den auffallenden Dom, der die Unterlippe des Gekreuzigten durchdringt. Dieser Dorn wurde u.a. als Bild für die Lügen gedeutet, die gegen den Herrn bei seinem Prozess vorgebracht worden sind.

Erst 1742 kann das Heilig-Haupt-Bild öffentlich aufgestellt werden. Bald erlangt es aber durch augenfällige Gebetserhörungen Berühmtheit und wird vielfach kopiert, die Kopien sollen durch Berührung mit dem Original von diesem die wunderbare Kraft erhalten. Die erste dieser Heilig-Haupt-Kopien ist bereits für 1743 in der Pfarrkirche Viktring bezeugt.

Anfänge und Verbreitung der Heilig-Haupt-Andacht in der Barockzeit

1749 erbittet der Magistrat der Stadt Klagenfurt während einer Epidemie, die unter den Bürgern der Stadt wütet, von Stadtpfarrer Klein die Abhaltung einer Bittandacht zum Heiligen Haupt. Noch bevor dieser neuntägige Votivgang, der in die Fastenzeit jenes Jahres fällt, abgeschlossen ist, lässt die Seuche sichtbar nach, sodass der Nachfolger Kleins, Sigismund von Rambichl, Edler von Josefsfeld, ab 1750 auf Wunsch der Stadtväter die Heilig-Haupt-Andacht als feste Institution installiert, die bis heute vom vierten Fastensonntag bis zum Montag der fünften Fastenwoche abgehalten wird.

1752 erscheint das erste der vielen Andachtsbüchlein zur Heilig-Hauptandacht, und sehr bald verbreitet sich mit den Kopien des Votivbildes auch der liturgische Brauch und mit ihm die Verehrung des Heiligen Hauptes in ganz Kärnten, im slowenischen bzw. südsteirischen Raum und darüber hinaus. 1933 etwa wird in zwei Drittel aller Kärntner Pfarren eine Heilig-Haupt-Andacht gehalten.

Zahlreiche testamentarische Verfügungen zugunsten von Gottesdiensten zu Ehren des Heiligen Hauptes belegen die Bedeutung der Heilig-Haupt-Verehrung auch sozialgeschichtlich eindrucksvoll. Ebenso geben Votivbilder Kunde von wunderbaren Gebetserhörungen – das berühmteste ist wohl jenes des Klagenfurter Baumeisters Karner, der für die wunderbare Errettung seines Arbeiters Komitsch dankt: dieser war während der Renovierungsarbeiten 1834 beim Abbau des Turmgerüsts abgestürzt, durch das Dach geschlagen und durch den Schutz des Heiligen Hauptes unverletzt geblieben. Das Bild, welches das Wunder darstellt, ist noch heute in einer der Seitenkapellen von St. Egid zu sehen.

Die äußere Form der Heilig-Haupt-Andacht

Die äußere Form ist überall mit geringfügigen Abweichungen gleich: nach dem Rosenkranzgebet folgt ein festlicher Gottesdienst mit Predigt. Der letzte Tag der Novene (Montag nach dem fünften Fastensonntag) ist für die Diözese Gurk regionales „Hochfest zum Heiligen Haupt“. Bei der Gestaltung der Andacht steht das barocke Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“ im Mittelpunkt, eigene Gesänge hat die Andacht eigenartiger Weise nicht entwickelt.

Gegenwart und Zukunft

Zentrum der Frömmigkeit zum Heiligen Haupt ist die Stadthauptpfarrkirche St. Egid geblieben. Sogar gegen Ende des zweiten Weltkriegs, als die Hauptandachtswoche mit den schweren Bombardements gegen die Stadt zusammenfiel, ließen die Klagenfurter Bürger sich vom Besuch der Andacht nicht abhalten, sodass die Kirche die zahlreichen Besucher nicht fassen konnte, und viele Gläubige vom Pfarrplatz aus an der Feier teilnehmen mussten.

In den letzten Jahren fanden sich wieder namhafte Prediger aus dem deutschsprachigen Raum, die für die gesamte Zeit der Novene in St. Egid zur Verfügung standen. Für die Konzertchöre der Stadt ist die Gestaltung eines Hauptandachtsgottesdienstes gleichsam „Ehrensache“.

So konnte St. Egid 1999 das 250-Jahr-Jubiläum der Heilig-Haupt-Andacht begehen. Bedeutende Künstler wurden dabei zu einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit der Thematik des Heiligen Hauptes angeregt. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung sind in der Festschrift „Das Heilige Haupt in St. Egid“ (hrsg. von Stadthauptpfarrer Markus Mairitsch) dokumentiert, wo auch erstmals das historisch und theologisch Wesentliche zur Heilig-Hauptandacht zusammengestellt worden ist. In diesem Sinne hofft die Pfarre St. Egid, dieses spirituelle Erbe der Vergangenheit auch im neuen Jahrhundert bewahren und als Zeichen christlicher Identität lebendig erhalten zu können.